Schreiben ist eine Kunst – das Bewerbungsanschreiben aber sollte vor allem handwerklich gut gemacht sein. Wie Trainees das Anschreiben gestalten sollten und wie lieber nicht…

Anschreiben Bewerbung: Darum ist es wichtig

Ein Traineeprogramm richtet sich an die Führungskräfte von morgen. Wichtig ist also, dass du dem Arbeitgeber Entwicklungspotenzial aufzeigst.

Für angehende Trainees ist das Anschreiben daher ein Bewerbungsbaustein, der extrem wichtig ist – wichtiger als für erfahrene Fachkräfte. Denn die überzeugen vorrangig durch ihren (möglichst beeindruckenden) Lebenslauf. Damit können Absolventen – angesichts ihres jungen Alters und fehlender Erfahrung – nur bedingt punkten.

Anschreiben: So ist es aufgebaut

Das Anschreiben sollte grob so aufgebaut sein:

  • Anrede
  • Einleitung
  • Hauptteil
  • Schlussteil
  • Grußformel

Anrede

Schon beim ersten Blick auf das Anschreiben verteilt das HR-Büro Fleißkärtchen oder Minuspunkte. Gut, wenn du als Bewerber den konkreten Ansprechpartner eruiert hast und ihn oder sie namentlich ansprichst. „Sehr geehrte Frau Gruber“, „Sehr geehrter Herr Mayerhofer“. Nur im Notfall auf die allgemeingültige Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ ausweichen.

Eine österreichische Besonderheit: Ein Titel wertet auf.Sehr geehrte Frau Dr. Gruber“, „Sehr geehrter Herr Mag. Mayerhofer“. Das schmeichelt dem Empfänger – und ist in einer Bewerbung völlig legitim.

Ganz wichtig: Den Namen gegenchecken und am Ende hundertprozentig korrekt schreiben. Wer Frau Häckl als Frau Häckel anredet, setzt den ersten Eindruck in den Sand. Und bitte auch nicht zu flapsig formulieren: „Grüß Gott Frau Gruber“, „Lieber Herr Häckl“, „Hallo Frau Niederlechner“. Das ist als Anrede in einer E-Mail völlig in Ordnung, sofern sich die Gesprächspartner kennen. In einer Bewerbung aber lieber die förmliche Variante wählen.

Einleitung

Der erste Satz kann zweierlei bewirken. Er kann den Leser fesseln oder ihn zu Tode langweilen.

Es ist ein Balanceakt, das Interesse des Personalers zu wecken und ihm gleichzeitig einen inhaltlichen Mehrwert aufzuzeigen. Zum einen will kein Personaler Romane lesen oder Rätsel lösen, zum anderen auch nicht mit Standardfloskeln bombardiert werden.

Beispiel für einen gelungenen Einstieg:

„Während meiner Masterarbeit wurde mir klar, dass ich später im Handel arbeiten möchte. Ich schrieb meine Arbeit darüber, wie die Hintergrundmusik im Einzelhandel Kunden zu Impulskäufen animiert. Die Kombination aus Verkaufstalent und Zahlenverständnis, Emotionen und Sachlichkeit, die im Handel gefragt ist, liegt mir. Ich bin daher überzeugt, dass Ihr Traineeprogramm genau der richtige Einstieg für mich ist…

Das weckt Interesse und deutet Entwicklungsmöglichkeiten an.
Gewagter ist es, mit einer Kritik einzusteigen:

Schon während meines Studiums habe ich mich gefragt, warum die Finanzbranche der Digitalisierung hinterherläuft. Ich würde gerne mithelfen, das zu ändern…

Ein Einstieg, der provoziert und durchaus den Zorn der HR-Abteilung wecken könnte, aber gleichzeitig außergewöhnlich und spannend ist. Denn bedenke auch: Der Einstieg umfasst nur zwei oder drei Sätze, in jedem Fall nicht mehr als vier Zeilen. Du hast also nur wenig Platz (und Zeit), um die Aufmerksamkeit des Lesers zu gewinnen..

Hauptteil

Im Hauptteil hat der Bewerber einen oder zwei Absätze Raum. Hier darf er – oder muss sogar – Eigenwerbung betreiben:

  • Warum bist du der ideale Kandidat für die Stelle?
  • Was bringst du dem Unternehmen?
  • Warum sollte es ausgerechnet dich einstellen?

Wichtig: Rattere auf keinen Fall die Stationen aus deinem Lebenslauf herunter. Das Anschreiben ist kein Lebenslauf in Fließtext-Form. Es soll vielmehr Höhepunkte herausarbeiten, wichtige Aspekte unterstreichen. Picke dir also nur einzelne Aspekte heraus, die du für wichtig hältst. Im Anschreiben geht es nicht um Vollständigkeit, sondern um Akzentuierung.

Das können Hard Skills oder Soft Skills sein, am besten eine Mischung aus beidem. Beispiel: Du beherrschst eine Programmiersprache, die der Arbeitgeber einsetzt und hast als Praktikant schon in agilen Teams gearbeitet. Das zeigt IT-Verständnis, Teamfähigkeit, Engagement. Konkrete Vorteile für den Job!

Deine Fähigkeiten sollten Relevanz für das jeweilige Unternehmen und die entsprechende Stelle haben. Noch besser, wenn du konkrete Erfolge vorweisen kannst. Beispiel: Du hast für mehrere Semester in der studentischen Unternehmensberatung gearbeitet und ihr in dieser Zeit ein halbes Dutzend Neukunden beschert. Das dann gerne im Hauptteil erwähnen. Es zeigt, dass du Qualitäten als Vertriebler hast, Kunden überzeugen und gewinnen kannst.

Aber bitte keine Worthülsen wie Teamfähigkeit, Einsatzbereitschaft oder Ehrgeiz ins Anschreiben aufnehmen. Diese Fähigkeiten hat offiziell jeder! Und sie rufen beim Empfänger allenfalls ein müdes Gähnen hervor.

Schluss

Der Schlussteil ähnelt formell der Einleitung. Halte ihn ganz kurz, schreibe nicht mehr als einige Zeilen und Sätze. Inhaltlich bedankst du dich höflich für das Interesse und nennst dein frühestes Einstiegsdatum. Und vielleicht baust du noch einen sogenannten Call-to-Action ein: „Ich freue mich, von Ihnen zu hören“, „Über eine Möglichkeit, Sie persönlich kennenzulernen, freue ich mich sehr.“ Der Spagat, den du zum Schluss hinlegst, geht so: Nicht zu forsch und fordernd auftreteten, aber auch nicht wie ein Bittsteller.
Grußformel

Er wird in der E-Mail bisweilen vergessen: der höfliche Gruß zum Abschluss. Bewerber drücken sich lieber förmlich als flapsig aus – aber auch nicht zu förmlich. Darum scheidet „Hochachtungsvoll“ aus. „Liebe Grüße“ oder „Auf ein baldiges Wiedersehen“ wiederum klingen sehr vertraut – für eine Bewerbung zu vertraut.

Tipp: Verabschiede dich „Mit freundlichen Grüßen“ oder auch „Mit freundlichem Gruß“. Damit sind Bewerber auf der sicheren Seite. Ebenfalls denkbar: „Es grüßt Sie herzlich“ oder „Mit besten Grüßen“.

Eine gute Idee ist es, auch in die Grußformel eine individuelle Note einzubauen. Das geht, indem man auf den Standort des Empfängers verweist. „Mit besten Grüßen nach Wien“, „Mit freundlichen Grüßen nach Linz“, „Mit freundlichem Gruß in die Steiermark.“ Benutze aber bitte keine Abkürzungen wie VG oder MfG. Damit erweckst du den Eindruck, keine Lust oder Zeit mehr für einen vollständigen Gruß gehabt zu haben. Eine Kränkung für das Personaler-Ego. Und vergiss hinterher die Unterschrift nicht.

Das sogenannte AIDA-Modell liefert insgesamt eine gute Orientierungshilfe für das Bewerbungsanschreiben: Erst Aufmerksamkeit erzeugen, dann Interesse wecken, Verlangen auslösen und eine Handlung initiieren. Es ist ein Verkäuferprinzip und als Bewerber steckt man in genau dieser Rolle.

A: Attention. Aufmerksamkeit erzeugen.
I: Interest. Interesse wecken.
D: Desire. Wunsch wecken, mehr über dich zu erfahren.
A: Action. Den Empfänger dazu bringen, dich zum Vorstellungsgespräch einzuladen.

Merke dir generell: Das Anschreiben braucht einen roten Faden, wenigstens aber einen soliden Aufbau mit Einleitung, Hauptteil und Schluss. Keinen Eintopf, bei dem der Konsument kaum erkennt, was alles drinsteckt. Das könnte unangenehme Assoziationen wecken: Chaotisches Anschreiben = chaotischer Typ?

Anschreiben: Das gehört hinein

Das Anschreiben umfasst diese Einzelbestandteile:

  • Datum, Ort
  • Adresse des Empfängers
  • Adresse des Absenders
  • Betreff (z.B. „Bewerbung als Trainee“ „Bewerbung für das Traineeporgramm“)
  • Anrede (z.B. „Sehr geehrter Herr Gruber“)
  • Einstieg (mit Einleitungssatz)
  • Hauptteil (inklusive Eigenwerbung, Bezug zum Unternehmen)
  • Schlussteil (evtl. mit möglichem Eintrittsdatum/Kündigungsfristen)
  • Grußformel (z.B. „Mit freundlichen Grüßen“)
  • Unterschrift
  • Anlagen (Lebenslauf, Zeugnisse, Zusatzqualifikationen)

Anschreiben: Das gehört nicht hinein

Das gehört nicht in ein Bewerbungsanschreiben:

  • Standardfloskeln („Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen“)
  • Selbstverständlichkeiten (Teamfähigkeit, Einsatzbereitschaft, Ehrgeiz…)
  • Konjunktiv („Ich könnte mir vorstellen“, „ich würde mich freuen“)
  • Gehaltsvorstellungen (nur, wenn verlangt!)
  • Informations-Overkill (nicht jede einzelne Station aus dem Lebenslauf ist interessant)

Anschreiben: Das ist wichtig

Grammatik

Faustregel Nummer eins: Achte auf korrekte Rechtschreibung. Wer Fehler an Fehler reiht, kegelt sich selbst aus dem Rennen. Am besten noch mal redigieren lassen – von Freund, Freundin, Vater, Mutter, Nachbar oder Kommilitone.

Übrigens ist fehlerfreies Deutsch keine Selbstverständlicheit – auch nicht unter Uni-Absolventen. Mit einer fehlerlosen Bewerbung lässt man einen Teil der Konkurrenz also schon mal hinter sich.

Umfang

Das Anschreiben umfasst nicht mehr als eine Seite. Das gilt insbesondere für Trainee-Bewerbungen. Trainee-Bewerber sind meist in ihren Zwanzigern und haben damit noch keinen allzu üppigen Lebenslauf.

Ohnehin leiden HR-Manager unter chronischer Zeitnot und werden sich keine 20 Minuten nehmen, um deine Bewerbung gewissenhaft durchzulesen. Umso größer ist die Herausforderung für Bewerber, die wichtigsten Aspekte kompakt darzustellen.

Einheitlichkeit

Das Anschreiben hat zwingend die gleiche Schriftart und die gleiche Schriftgröße wie der Lebenslauf. Das Anschreiben in Times New Roman, der Lebenslauf in Arial – das wäre ein ärgerlicher Anfängerfehler, der mangelnde Sorgfalt bezeugt.

Die Schriftart sollte nicht variieren, aber auch nicht zu spielerisch sein. Greife auf bewährte Formate wie Helvetica oder Verdana zurück.

Sprache

Du bewirbst dich nicht als Romanautor. Darum: Verwende keine komplexen Bandwurmsätze mit vielen Relativsätzen. Kurze, klare und starke Sätze. Schreibe im Aktiv, nicht im Passiv. Verbanne den Konjunktiv aus dem Anschreiben und beginne nicht jeden Satz mit ‚Ich‘.

Vermeide allzu lange Aufzählungen im Fließtext und gebrauche keine Umgangs- oder Jugendsprache. Ob du dagegen den einen oder anderen Anglizismus einwirfst, um Branchenzugehörigkeit zu demonstrieren – das bleibt dir überlassen.

Individualität

Der Empfänger sollte wissen, dass nur er und sonst niemand dieses Anschreiben zu Gesicht bekommt. Keine Massenware produzieren!

Darum gehst du im Anschreiben auf die Anforderungen und Bedürfnisse dieses speziellen Arbeitgebers ein. Beispiel: Ein US-Unternehmen will in Österreich Fuß fassen. Wie kannst du der Firma dabei helfen? Wenn du beispielsweise schon ein Semester oder Praktikum in den USA absolviert hast, sollte das zwingend ins Anschreiben. Nenne auch ruhig den Namen des Unternehmens (aber nicht mehr als einmal) und flechte die eine oder andere aktuelle Info über die Firma ein.

Ein beliebter Fehler ist es, alte Daten zu „vergessen“. Wer etwa versäumt, in der Datumszeile 2015 durch 2018 zu ersetzen, zeigt, dass er eine alte Bewerbung auf Wiedervorlage gelegt hat. Ein ganz schlechtes Zeichen – und vielleicht schon das Aus.

Anschreiben Checkliste: Darauf achten

  • Seriös und höflich formulieren
  • Highlights setzen
  • Fehlerfrei schreiben
  • Korrekten Ansprechpartner nennen
  • Unterschrift nicht vergessen
  • Daten aktualisieren
  • Einheitliche Schriftart wählen
  • Lesefreundliche Schriftgröße wählen (11 oder 12)
  • Sauber formatieren (Rand, Abstände, Absätze)
  • Auf eine Seite beschränken

Text: Sebastian Wolking